TMS, MedAT und Co.: Welche Vorbereitung auf Zulassungstests wirklich funktioniert
Vorbereitungskurs, Bücher, Altfragen, Lerngruppe oder Karteikarten? Was Studien über die Vorbereitung auf TMS, MedAT und andere Zulassungstests zeigen.
Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2026/27 ist am 15. Juli abgelaufen. Wer sich über hochschulstart.de beworben hat, wartet jetzt auf Bescheide; ab dem 1. August öffnet die Studienplatzbörse, im August und September folgen Nachrück- und Losverfahren. Und wer auf das Studienjahr 2027/28 zielt, steht vor der Frage, mit der jedes Jahr tausende Bewerber in Foren landen: Wie bereite ich mich auf den Zulassungstest vor, und muss es der Kurs für 800 Euro sein?
Die kurze Antwort aus der Lernforschung: Es kommt viel weniger darauf an, wofür du bezahlst, als darauf, wie du übst. Die lange Antwort steht unten, mit den Studien dazu.
Warum Zulassungstests wichtiger geworden sind
An der Abiturnote allein hängt immer weniger. In der Medizin laufen nur noch 30 % der Plätze über die Abiturbestenquote; 60 % vergibt das Auswahlverfahren der Hochschulen, in dem Tests wie der TMS großes Gewicht haben, und 10 % die Zusätzliche Eignungsquote, in der die Note gar keine Rolle spielt. Ein guter TMS kann die Abiturnote im Auswahlverfahren je nach Uni um bis zu 0,8 aufwerten. In Österreich entscheidet der MedAT ohnehin fast allein.
Auch außerhalb der Medizin wird getestet: Fachhochschulen und private Hochschulen fahren eigene Auswahltests, Kunst- und Sporthochschulen Eignungsprüfungen, internationale Bewerber müssen durch Studienkolleg-Aufnahmetests oder Sprachprüfungen wie DSH und TestDaF. Viele dieser Termine liegen im August und September, also genau jetzt.
Dazu kommt: Ein verpatzter Testtag lässt sich oft erst im nächsten Zyklus korrigieren. Der MedAT findet einmal im Jahr Anfang Juli statt, die TMS-Anmeldung läuft um den Jahreswechsel. Die Vorbereitung ist also keine Nebensache, sondern das eigentliche Bewerbungsverfahren.
Was die Forschung vorab klärt
Bevor wir Ansätze vergleichen, lohnt ein Blick darauf, was über Lernmethoden generell bekannt ist, denn die Befunde sind erstaunlich eindeutig.
Dunlosky et al. (2013) haben zehn verbreitete Lerntechniken anhand hunderter Studien bewertet. Nur zwei erhielten das Urteil „hochwirksam": Practice Testing (sich selbst abfragen) und Distributed Practice (Lernen über die Zeit verteilen). Wiederholtes Durchlesen und Markieren, die beliebtesten Methoden überhaupt, landeten in der untersten Kategorie. Donoghue und Hattie (2021) haben das mit 242 Studien und rund 169.000 Teilnehmern noch einmal geprüft und kamen zum selben Ergebnis.
Wie groß der Effekt von Selbsttests ist, zeigt die Metaanalyse von Adesope et al. (2017): über 272 Effektstärken hinweg ein mittlerer bis starker Vorteil gegenüber allen anderen Lernformen (g ≈ 0,61). Und für das Verteilen der Lernzeit haben Cepeda et al. (2006) 839 Vergleiche ausgewertet: Wer denselben Stoff auf mehrere Sitzungen verteilt, behält ihn deutlich länger als mit derselben Zeit am Stück.
Mit dieser Messlatte lassen sich die üblichen Vorbereitungsansätze ehrlich einordnen.
Sechs Ansätze im Vergleich
Kommerzielle Vorbereitungskurse
Kurse für TMS oder MedAT kosten zwischen einigen hundert und weit über tausend Euro, und die Anbieter werben mit Erfolgsquoten. Die unabhängige Datenlage ist ernüchternd: Arendasy et al. (2016) untersuchten im Fachjournal Intelligence die Vorbereitung auf den österreichischen Medizin-Aufnahmetest und fanden keinen Leistungsvorteil kommerzieller Kurse gegenüber selbstorganisierter, informeller Vorbereitung. Bemerkenswert ist, wer das offen kommuniziert: Die offizielle MedAT-Seite der Medizin-Universitäten selbst weist darauf hin, dass es für die Vorbereitung keine kostenpflichtigen Kurse braucht.
Was ein Kurs trotzdem leisten kann: feste Termine, einen fertigen Plan und Simulationen unter Aufsicht. Das ist für manche der Unterschied zwischen Anfangen und Aufschieben. Nur solltest du wissen, dass du für Struktur bezahlst, nicht für einen messbaren Punktevorteil.
Bücher und Skripte im Selbststudium
Der Klassiker, und mit 30 bis 80 Euro die günstigste Stoffquelle. Das Risiko steckt in der Anwendung: Kapitel lesen, markieren, noch einmal lesen. Genau diese Routine bewerten Dunlosky et al. als wenig wirksam, weil der Text beim zweiten Durchgang vertraut wirkt und sich Vertrautheit wie Können anfühlt. In der Klausur ist dann niemand da, der die Seite vorliest.
Bücher gehören in jede Vorbereitung, aber als Rohstoff. Wirksam wird der Stoff erst, wenn du ihn in Abrufübungen verwandelst: Fragen daraus bauen, Aufgaben rechnen, Inhalte aus dem Kopf wiedergeben.
Altfragen und Testsimulationen
Wenn die Forschung eine einzige Sache empfiehlt, dann diese. Altfragen und Simulationen sind Practice Testing in Reinform, und sie trainieren nebenbei das Testformat: Zeitdruck, Aufgabentypen, die Reihenfolge der Untertests. Für TMS und MedAT gibt es offizielle Beispielaufgaben und komplette Simulationen, für DSH und TestDaF Musterprüfungen der Hochschulen.
Ein Detail, das in Erfahrungsberichten immer wieder auftaucht: Die Simulation unter echten Bedingungen, also mit Timer, am Stück und ohne Handy, ist etwas anderes als dieselben Aufgaben gemütlich am Schreibtisch. Der Unterschied zeigt sich sonst erst am Testtag.
Karteikarten mit Spaced Repetition
Jeder Zulassungstest hat Anteile, die schlicht Wissen und Merkfähigkeit abfragen: der BMS-Teil des MedAT (Biologie, Chemie, Physik, Mathematik), die TMS-Untertests zum Einprägen von Fakten und Figuren, Fachvokabular für DSH, TestDaF oder die Feststellungsprüfung am Studienkolleg. Für diese Anteile sind Karteikarten mit Spaced Repetition die effizienteste Form, die beiden hochwirksamen Methoden zu kombinieren: Jede Karte ist ein Selbsttest, und der Algorithmus verteilt die Wiederholungen so, dass schwache Karten oft kommen und sichere selten.
Der praktische Vorteil gegenüber dem Papierstapel: 20 bis 30 Minuten am Tag reichen, die App merkt sich den Rest. Laut Cepeda et al. schlägt das den Samstag-Marathon im Behalten, und im Kalender schlägt es ihn auch, weil es neben Schule, Job oder FSJ durchhaltbar ist. Wie man Karten baut, die wirklich sitzen, steht im Leitfaden zu Karteikarten für die Prüfungsvorbereitung.
Lerngruppen
Interessant an der Studie von Arendasy et al. ist nicht nur, dass Kurse keinen Vorteil brachten, sondern womit verglichen wurde: mit selbstorganisierter Vorbereitung, oft in kleinen Gruppen. Die schnitt genauso gut ab, kostenlos. Wer anderen einen Lösungsweg erklärt, merkt sofort, wo das eigene Verständnis endet, und ein fester Gruppentermin erledigt das Motivationsproblem gleich mit.
Die ehrliche Einschränkung: Eine Gruppe ohne Plan wird schnell zum gemeinsamen Aufschieben. Was funktioniert, sind feste Termine, ein klares Wochenziel und Simulationen, die man getrennt schreibt und gemeinsam bespricht.
Einzelnachhilfe
Nachhilfe ist mit 25 bis 60 Euro pro Stunde die teuerste Option pro Zeiteinheit, und als Rundum-Betreuung selten ihr Geld wert. Gezielt eingesetzt sieht die Rechnung anders aus: Wenn die Diagnose-Simulation zeigt, dass genau die Mathematik im BMS-Teil oder der quantitative Untertest das Problem ist, lösen fünf gezielte Stunden mehr als ein weiterer Monat Selbststudium am falschen Ende. Erst messen, dann buchen.
Die Übersicht
| Ansatz | Kosten | Beleglage | Sinnvoll, wenn … | |---|---|---|---| | Vorbereitungskurs | 500–1500 € | Kein messbarer Vorteil gegenüber Selbstorganisation (Arendasy 2016) | du feste Termine und einen fertigen Plan brauchst | | Bücher/Skripte | 30–80 € | Als Stoffquelle nötig; reines Lesen wenig wirksam (Dunlosky 2013) | du sie als Rohstoff für Abrufübungen nutzt | | Altfragen/Simulationen | 0–100 € | Stärkster Einzeleffekt (Adesope 2017) | immer; unter Echtbedingungen | | Karteikarten + Spaced Repetition | 0 € | Kombiniert die zwei Top-Methoden (Dunlosky, Cepeda) | der Test Wissen oder Vokabular abfragt | | Lerngruppe | 0 € | Schnitt in Studien so gut ab wie Kurse | ihr feste Termine und ein Wochenziel habt | | Einzelnachhilfe | 25–60 €/h | Sinnvoll nur gezielt bei diagnostizierten Lücken | eine Simulation die Schwachstelle klar zeigt |
Ein 12-Wochen-Plan, der die Befunde ernst nimmt
So sähe eine Vorbereitung aus, die konsequent auf die belegten Methoden setzt:
- Woche 1: Diagnose. Eine komplette Simulation unter Echtzeit, bevor du irgendetwas lernst. Das Ergebnis tut eventuell weh, aber es ersetzt Monate des Ratens, was du üben solltest.
- Woche 2 bis 8: Aufbau. Den Stoff der schwachen Bereiche in kleine Karteikarten übersetzen, eine Frage pro Karte, und täglich 20 bis 30 Minuten wiederholen. Dazu pro Woche ein Altfragen-Block je Schwachstelle. Wie man großen Stoff in einen Wiederholungsplan gießt, zeigt der Artikel zum Lernen großer Stoffmengen.
- Woche 9 bis 12: Ernstfall. Jede Woche eine Vollsimulation, jeder Fehler wird zur neuen Karteikarte. In der letzten Woche kein neuer Stoff mehr, nur noch Wiederholungen und Schlaf.
Ein Kurs kann diesen Plan liefern, nötig ist er dafür nicht. Und falls dir beim Wort „Simulation" schon der Puls steigt: Für die Angst vor dem Testtag gibt es einen eigenen Artikel über Prüfungsangst und was dagegen wirklich hilft.
Wer jetzt noch auf einen Bescheid wartet
Für das Wintersemester 2026/27 ist noch nichts verloren. Ab dem 1. August listet die Studienplatzbörse von hochschulstart.de freie Plätze, viele Hochschulen verlosen Restplätze im August und September, und für zulassungsfreie Fächer läuft die Einschreibung oft bis in den September. Die Wartezeit lässt sich nutzen: Mathe-Vorkurse der Unis auffrischen die Lücken zwischen Schul- und Hochschulstoff, und ein Fachvokabel-Deck vor Semesterstart nimmt den ersten Vorlesungen die Härte.
Memor More ist dafür kostenlos: unbegrenzte Karten, tägliche Wiederholung mit Spaced Repetition, Audio und Bilder auf Karten, auf iPhone, iPad und Mac. In der öffentlichen Deck-Bibliothek gibt es fertige Sets als Startpunkt.
Quellen und Studien
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. journals.sagepub.com
- Donoghue, G. M., & Hattie, J. A. C. (2021). A meta-analysis of ten learning techniques. Frontiers in Education, 6, 581216. frontiersin.org
- Adesope, O. O., Trevisan, D. A., & Sundararajan, N. (2017). Rethinking the use of tests: A meta-analysis of practice testing. Review of Educational Research, 87(3), 659–701. journals.sagepub.com
- Cepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., & Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin, 132(3), 354–380. PDF
- Arendasy, M. E., Sommer, M., Gutiérrez-Lobos, K., & Punter, J. F. (2016). Do individual differences in test preparation compromise the measurement fairness of admission tests? Intelligence, 55, 44–56. doi.org
- Studis Online: Fahrplan zum Studienplatz 2026, Medizin-Vergabeverfahren 2026/27, TMS
- Medizinische Universitäten Österreichs: Vorbereitungskurse und Materialien zum MedAT
Weiterlesen
Written by
Founder & developer of Memor More. I build iOS and Mac apps and write about the science of memory and learning. @Jerelii on X
