Die besten Karteikarten-Apps 2026: Anki, Quizlet & Co. im ehrlichen Vergleich
Anki, Quizlet, Brainscape, RemNote und Memor More im Vergleich: Algorithmus, Preise, Plattformen und für wen sich welche Karteikarten-App wirklich lohnt.
Spaced Repetition ist die am besten belegte Lernmethode der kognitiven Psychologie. Schwierig ist nicht die Idee, sondern die App. Karteikarten-Apps gibt es 2026 im Dutzend; nur wenige planen Wiederholungen wirklich, und noch weniger passen zu dem, wofür in Deutschland tatsächlich gelernt wird: Physikum und Hammerexamen, Jura-Examen, TMS, Abitur, Sprachzertifikate, IHK-Prüfungen. Dieser Vergleich nimmt fünf verbreitete Apps auseinander: Algorithmus, echte Kosten, ehrliche Schwächen.
Was Spaced Repetition macht
Spaced Repetition legt jede Karte auf den Zeitpunkt, an dem du kurz davor bist, sie zu vergessen. Sitzt die Antwort, wächst der Abstand bis zur nächsten Wiederholung. Fällt sie durch, kommt die Karte schneller zurück. So wird aus kurzfristigem Erinnern stabiles Wissen, und zwar mit weniger Lernsitzungen als beim Pauken. Warum das funktioniert und wie deutlich die Effekte in Studien ausfallen, steht ausführlich im Artikel zur Forschungslage zu Spaced Repetition.
Woran ich die Apps gemessen habe
- Algorithmus: nach welchem System die App Wiederholungen plant und ob sie sich an deine tatsächliche Leistung anpasst
- Plattformen: iOS, Android, Web, Desktop, und ob die Daten zwischen Geräten synchron bleiben
- Gesamtkosten: Grenzen der Gratis-Version, Abo oder Einmalkauf
- Karten erstellen: wie schnell aus einem Skript, einer Vorlesung oder einer Vokabelliste ein lernbares Deck wird
- Reibung im Alltag: ob du die App nach drei Wochen noch öffnest
Die Übersicht
Stand September 2026. Der Preis für AnkiMobile stammt aus dem deutschen App Store; die übrigen Angaben sind Listenpreise der Anbieter und schwanken je nach Region, Aktion und Studierendenrabatt. Vor dem Kauf im jeweiligen Store nachsehen.
| App | Plattformen | Preis | Algorithmus | Passt zu |
|---|---|---|---|---|
| Anki | Windows, macOS, Linux, iOS, Android, Web | Desktop und Android gratis; iOS 29,99 € einmalig | FSRS (Standardweg in aktuellen Versionen) / SM-2 | Medizin, Jura, große Vokabelmengen, Power-User |
| Quizlet | iOS, Android, Web | Gratis-Version; Quizlet Plus rund 36 $/Jahr | Eigenes adaptives System („Learn") | Schule, Uni, Lerngruppen, fertige Sets |
| Brainscape | iOS, Android, Web | Gratis-Version; rund 9,99 $/Monat oder 99,99 $/Jahr | Confidence-Based Repetition (CBR) | Zertifikate, redaktionell gepflegte Decks |
| RemNote | iOS, Android, Web, Desktop | Gratis-Version; Bezahlpläne ab rund 8 $/Monat | SRS auf SM-2-Basis | Notizen und Karten an einem Ort |
| Memor More | nur iPhone, iPad, Mac | Kostenlos; optionales Premium | Spaced Repetition mit erzwungenem Abruf | Apple-Nutzer, die täglich ohne Aufwand wiederholen wollen |
1. Anki
Anki ist der Maßstab, an dem sich alles andere messen lassen muss. Damien Elmes hat es 2006 gebaut, und seither ist es das Standardwerkzeug in der Medizin, im Jura-Examen und beim Vokabellernen im großen Stil. Der klassische Algorithmus SM-2 stammt von Piotr Woźniak und erreichte über 10.255 gelernte Elemente hinweg 89,3 % Behaltensleistung. Seit Version 23.10 steckt zusätzlich FSRS in Anki, trainiert auf 220 Millionen protokollierten Lernvorgängen, mit 20 bis 30 % weniger Wiederholungen bei gleicher Retention.
Vorteile
- FSRS ist der am besten belegte Wiederholungsplaner, den es in einer Endnutzer-App gibt, und er lässt sich in den Einstellungen kostenlos aktivieren
- Auf AnkiWeb liegen zehntausende geteilte Decks. Für Anatomie, Pharmakologie oder Grundwortschatz musst du selten bei null anfangen
- Läuft überall: Desktop gratis unter Windows, macOS und Linux, AnkiDroid gratis auf Android, Synchronisierung über AnkiWeb kostenlos oder auf eigenem Server
Nachteile
- Auf dem iPhone kostet AnkiMobile 29,99 Euro einmalig. Das ist der Punkt, an dem die meisten Neulinge zuerst hängen bleiben
- Die Oberfläche hat sich seit Jahren kaum bewegt. Notiztypen, Kartenvorlagen, Add-ons und Sync-Einstellungen kosten dich einen Nachmittag, bevor du sinnvoll lernst
- Karten anzulegen ist Handarbeit. Wer strukturiert importieren will, beschäftigt sich mit CSV-Spalten oder Add-ons
Gut für: Medizin- und Jurastudium, Sprachen mit hohem Volumen, alle, die den stärksten Algorithmus wollen und bereit sind, dafür Zeit in die Einrichtung zu stecken.
2. Quizlet
Quizlet ist die meistgenutzte Karteikarten-Plattform der Welt, mit hunderten Millionen Sets von Nutzern. Gestartet 2005, inzwischen stark auf KI-gestütztes Lernen ausgerichtet. Der Wiederholungsplaner ist ein eigenes adaptives System, das unter Funktionsnamen wie „Learn" und „Smart Grading" läuft.
Vorteile
- Die mit Abstand größte Materialsammlung im Test. Zu praktisch jedem Schulbuch, Kurs und großen Prüfungsformat existieren fertige Sets, oft schon mit Bildern und Audio
- Auf Zusammenarbeit ausgelegt: Sets lassen sich an eine Klasse weitergeben, in einen Kurs einbinden oder über die Suche finden. In Schule und Uni ist es deshalb oft die Standardwahl
- Mehrere Lernmodi (Karteikarten, Learn, Schreiben, Test, Zuordnen) nehmen dem reinen Abfragen die Monotonie
Nachteile
- Der Spaced-Repetition-Kern ist weniger transparent und weniger streng als FSRS bei Anki oder CBR bei Brainscape. Wie genau geplant wird, dokumentiert Quizlet nicht
- Die Gratis-Version ist über die Jahre schmaler geworden. Offline-Zugriff und die KI-Werkzeuge stecken hinter Quizlet Plus
- Die Qualität der Nutzer-Sets schwankt stark. Fehler in geteilten Sets sind häufig, eine Prüfung findet nicht statt
Gut für: Oberstufe und Uni, wenn du denselben Stoff lernst wie deine Kommilitonen, für alle, die sofort fertige Karten brauchen, und für Lerngruppen.
3. Brainscape
Brainscape arbeitet mit Confidence-Based Repetition. Nach jeder Karte bewertest du auf einer Skala von 1 bis 5, wie sicher du dir warst. Aus dieser Bewertung berechnet der Algorithmus den nächsten Abstand und zieht die schwachen Karten nach vorn. Die Methodik ist öffentlich beschrieben, und das Unternehmen hat sie intern gegen andere Wiederholungsformen getestet.
Vorteile
- Die Selbsteinschätzung zwingt zu Metakognition. Du beantwortest nicht nur die Frage, sondern beurteilst auch, wie belastbar deine Antwort war
- Für Zertifikate und Zulassungsprüfungen gibt es redaktionell erstellte Decks, die gepflegt werden. Der Fokus liegt auf dem US-Markt, also MCAT, Bar Exam, CPA und GRE
- Web und App wirken aufgeräumt und sind ab dem ersten Tag verständlich, was man von Anki nicht behaupten kann
Nachteile
- Die Gratis-Version schränkt öffentliche Nutzer-Decks ein und lässt dich nicht offline lernen. Ernsthaft nutzbar wird die App erst im Abo
- CBR lebt davon, dass du dich realistisch einschätzt. Wer sein Wissen regelmäßig überschätzt, bekommt eine schlechtere Wiederholungsplanung
- Es gibt keinen Desktop-Client. Der Browser funktioniert, ist offline aber nicht annähernd so robust wie Anki oder eine native App
- Für deutsche Prüfungsformate ist kaum vorbereitetes Material da. Du bringst deinen Stoff selbst mit
Gut für: Berufstätige mit internationalen Zertifikaten und alle, denen Anki zu sperrig ist, die aber mehr algorithmische Substanz wollen als bei Quizlet.
4. RemNote
RemNote verbindet Notizen mit Karteikarten. Du schreibst in einem Outliner, markierst einen Begriff mit einer Doppelpunkt-Syntax, und daraus entsteht direkt eine Karte. Die Idee dahinter: Dein Verständnis eines Themas und dein Abfragematerial sollten nicht in zwei getrennten Programmen liegen.
Vorteile
- Karten entstehen nebenbei beim Mitschreiben. Damit fällt genau der Schritt weg, an dem viele bei Anki hängen bleiben, nämlich das separate Deck-Bauen
- Die hierarchische Struktur (vergleichbar mit Obsidian oder Roam) zeigt, wie ein Detail in einen größeren Zusammenhang gehört. Bei Jura, Philosophie oder Theoriefächern hilft das mehr als eine Liste isolierter Karten
- Verfügbar auf iOS, Android, Web und Desktop mit brauchbarer Synchronisierung. Die Gratis-Version enthält die Wiederholungsfunktion
Nachteile
- Die Einarbeitung dauert länger als bei einer reinen Karteikarten-App. Es ist verführerisch, die erste Stunde mit dem Aufräumen der Struktur zu verbringen statt mit Lernen
- Der Planer basiert weiterhin auf SM-2 und hat FSRS nicht übernommen. Die Wiederholungen sind damit schlechter optimiert als bei aktuellem Anki
- Die Oberfläche ist funktionsdicht. Auf dem Handy fühlt sich das eng an, wenn du nur schnell zwanzig Karten abfragen willst
Gut für: Studierende und Promovierende, die ohnehin ausführlich mitschreiben und wollen, dass die Abfrage aus demselben Material wächst.
5. Memor More
Memor More ist eine Karteikarten-App für iPhone, iPad und Mac, erschienen im Februar 2026. Der Anspruch ist bescheidener als bei den anderen vier: möglichst wenige Schritte zwischen dem Öffnen der App und der ersten Karte. Keine Add-on-Architektur wie bei Anki, keine Notizumgebung wie bei RemNote. Die Daten liegen zuerst auf dem Gerät und synchronisieren über iCloud.
Vorteile
- Nahezu keine Einrichtung. Du fängst an zu lernen, statt ein System zu konfigurieren
- Aktiver Abruf ist eingebaut und nicht abwählbar: Du musst die Antwort denken, bevor die Karte umdreht
- Die kostenlose Version enthält unbegrenzt Karten, tägliche Wiederholungen, Audio und Bilder sowie das Teilen von Decks. Premium ist optional und schaltet KI-Erstellung und ausführlichere Statistiken frei
- Echte native Apps für Telefon, Tablet und Schreibtisch, nicht ein aufgezogenes Handy-Layout
- Deutschsprachige Decks in der öffentlichen Bibliothek, etwa Biologie: Pflanzen & Wirbeltiere oder Geschichte: USA, Deutschland, Spanien
Nachteile
- Nur Apple. Kein Android, kein Lernen im Browser. Wer ein Android-Handy und einen Windows-Rechner hat, kann hier aufhören zu lesen
- Als Neuzugang von 2026 ist die Community-Bibliothek klein gegenüber AnkiWeb oder Quizlet. Für viele Fächer baust oder importierst du selbst
- Die Planungsparameter sind nicht so weit offengelegt wie FSRS bei Anki. Wer jedes Intervall selbst justieren will, wird das vermissen
Gut für: Apple-Nutzer, die Anki angefangen und wieder aufgegeben haben, Einsteiger, die erst einmal eine tägliche Gewohnheit brauchen, und alle, denen lokale Datenhaltung wichtig ist.
Welche App passt zu welcher Prüfung?
Physikum, Hammerexamen, Jura-Examen. Anki, und zwar mit aktiviertem FSRS. Bei tausenden Karten über Monate hinweg zahlt sich der bessere Planer real in gesparter Zeit aus, und die Community-Decks für Anatomie, Pharma und Definitionen nehmen dir Wochen ab. Die 29,99 Euro fürs iPhone sind gegenüber dem, was du sonst an Repetitorien zahlst, keine Diskussion wert.
Abitur und Oberstufe. Quizlet, wenn dein Kurs ohnehin Sets teilt. Wenn du allein lernst und den Stoff über Monate halten musst, ist ein echter Wiederholungsplaner die bessere Wahl: Anki oder, auf Apple-Geräten, Memor More.
TMS, MedAT und andere Zulassungstests. Für die Wissensanteile funktionieren Karteikarten gut, für die Denkaufgaben nicht. Was sich sonst noch lohnt, steht im Vergleich der Vorbereitungswege.
Sprachen und Sprachzertifikate. Anki bei hohem Volumen und eigenen Vorlagen mit Audio. Quizlet, wenn dir fertige Wortlisten wichtiger sind als der Algorithmus. Memor More, wenn du im Apple-Ökosystem bleibst und Sprachausgabe ohne Konfiguration willst.
IHK-Prüfungen und Weiterbildung neben dem Job. Hier entscheidet nicht der Algorithmus, sondern ob du abends um halb zehn noch die App aufmachst. Nimm die mit der geringsten Hürde und bau daraus zwanzig Minuten am Tag.
Lehrkräfte. Ein gepflegtes Deck pro Klasse schlägt fünfzehn Einzeldateien. Wie das ohne Export-Import-Zirkus geht, steht unter geteilte Karteikarten-Decks für Lehrkräfte.
Häufige Fragen
Lohnt sich Anki 2026 noch?
Ja, wenn du bereit bist, dich einzuarbeiten. Mit FSRS ist die wichtigste algorithmische Kritik an SM-2 erledigt, der Desktop bleibt kostenlos, und die Community-Bibliothek ist unerreicht. Der Haken liegt woanders: Die Oberfläche kostet Überwindung, und eine einfachere App, die du täglich öffnest, schlägt eine mächtige App, die du meidest. Wenn du Anki schon zweimal installiert und wieder gelöscht hast, ist das ein Datenpunkt über dich, kein Fehler der Software.
Was ist der Unterschied zwischen Anki und Quizlet?
Tiefe gegen Breite. Anki plant mit FSRS, einem auf hunderten Millionen echten Lernvorgängen trainierten Modell, und sagt dir ziemlich präzise, wann eine Karte fällig ist. Quizlet setzt auf ein eigenes, kaum dokumentiertes adaptives System, hat dafür aber ungleich mehr fertiges Material und die besseren Werkzeuge für Klassen und Lerngruppen. Für Sprachen und lange Prüfungsvorbereitung ist Anki im Vorteil. Für kurze Lernzyklen im Kurs zählt Quizlets Inhalt oft mehr als jeder Algorithmusunterschied.
Welche App eignet sich für Anfänger?
Frag dich, was dich bisher gebremst hat. War es die Komplexität, nimm Memor More oder Quizlet. Fehlte dir der Stoff, sind die Bibliotheken von Quizlet und Brainscape der schnellere Weg. Weißt du genau, was du lernen willst, und baust die Karten gern selbst, lohnt sich die Lernkurve von Anki, weil du daraus nicht herauswächst. Das schlechteste Ergebnis ist eine App, die so anspruchsvoll ist, dass du nach zwei Wochen aufhörst. Später zu wechseln ist völlig in Ordnung.
Gibt es gute deutschsprachige Karteikarten-Apps?
Die großen Apps sind international; der Unterschied liegt beim Inhalt. Auf AnkiWeb und bei Quizlet liegen viele deutsche Decks für Medizin, Jura und Schulfächer, allerdings in schwankender Qualität. Speziell für den deutschen Markt gebaute Anbieter wie Repetico oder StudySmarter decken Prüfungsformate gut ab, sind aber beim Wiederholungsalgorithmus weniger transparent als Anki. Memor More veröffentlicht deutschsprachige Decks in der öffentlichen Bibliothek, und die App selbst ist auf Deutsch verfügbar.
Ersetzt Memor More Anki?
Nicht in jedem Fall. Wer Android braucht, selbst hosten will, auf Add-ons angewiesen ist oder FSRS bis ins Detail einstellen möchte, bleibt bei Anki. Memor More konkurriert an einer anderen Stelle: weniger Reibung auf Apple-Geräten, erzwungener Abruf, KI-Hilfe beim Kartenbau und Daten, die auf dem Gerät bleiben. Viele fangen dort an, bauen die Gewohnheit auf und wechseln später, wenn der Stoff es verlangt.
Fazit
Eine beste Karteikarten-App gibt es 2026 nicht. Es gibt eine Passung. Anki für Volumen und Präzision, Quizlet für Inhalt und Klassenzimmer, Brainscape für Zertifikate mit CBR, RemNote für Notizen plus Karten, Memor More für den sauberen Start auf iPhone, iPad und Mac. Das entscheidende Kriterium steht in keinem Feature-Vergleich: ob dich die App morgen wieder zur Wiederholung bringt.
Memor More ist auf iPhone, iPad und Mac kostenlos, mit unbegrenzten Karten, täglicher Wiederholung, Audio und Bildern sowie fertigen Decks in der öffentlichen Bibliothek.
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Geschrieben von
Gründer und Entwickler von Memor More. Ich entwickle iOS- und Mac-Apps und schreibe über die Wissenschaft von Gedächtnis und Lernen. @Jerelii auf X
